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Die Operette
Herkunft des Wortes "Operette"
Im Ursprung stammt das Wort Operette aus dem Italienischen und bedeutet "kleine Oper". "Klein" bezog sich vielleicht auf den Sachverhalt, dass in einer Operette im Vergleich zu einer Oper weniger Personen auftraten, möglicherweise auch darauf, dass in einer Operette keine ernsten oder tragischen, sondern lustige Themen verhandelt wurden. Vielleicht rührt der Name auch einfach daher, dass eine Operette kurz (meistens einaktig) war.
Geburt der Operette
Die Kunstform, die heute als Operette bezeichnet wird, wurde um 1848 in Paris unter dem Namen "opérette-bouffe" für Einakter geboren. Andere Bezeichnungen lauten "folie musicale" (etwa: "musikalische Verrücktheit") oder "bouffonerie musicale" (etwa: "musikalischer Spaß"). Die frühesten Operetten waren Singspiele frivolen oder grotesken Inhalts. Einer der ersten Komponisten war Florimond Ronger, zu den von ihm geschriebenen Operetten zählen die Werke "Don Quichotte et Sancho Panca", "Mam'zelle Nitouche" und "Le Petit Faust".
Jacques Offenbach
Jacques Offenbach und die französischen Operetten
Während Ronger heute fast vergessen ist, werden die Werke des sogenannten Urvaters oder Begründers der Operette Jacques Offenbach auch heute noch oft gespielt. Offenbachs Werke wurden seinerzeit stark kritisiert, man befürchtete, dass die erotischen Stoffe, mitreißenden Melodien und schlüpfrigen Texte eine demoralisierende Wirkung auf das Publikum haben könnten. Aus diesem Grund durften seine Operetten auch nicht auf den großen und renommierten Bühnen und Theatern gespielt werden, sondern wurden in die Etablissements der Halbwelt abgedrängt. Dies hatte aber nicht den erwünschten Effekt, sondern wirkte sich im Gegenteil verkaufsfördernd aus, und immer mehr Menschen wollten die skandalösen Werke sehen.
Jacques Offenbachs Operetten zeichnen sich durch groteske Elemente aus, seine Stoffe sind eine ins Lächerliche gewendete Realität, oft nur notdürftig kaschiert durch eine Ansiedlung in der Antike oder im Mittelalter. Ein weiteres Merkmal einer Offenbachschen Operette ist ihr freizügiger Umgang mit erotischen Anspielungen, meistens als Parodie getarnt, sodass er die strenge Zensur passieren konnte. Besonders in Deutschland wurden seine Operetten aus diesem Grund heftig zerrissen, man zeigte sich besorgt und fürchtete die Zersetzung der Sitten und den Zerfall der Ordnung.
Offenbachs bekanntestes Werk "Orpheus in der Unterwelt" entstand im Jahr 1858 und wurde in Paris uraufgeführt, es ist seine erste mehraktige Operette mit mehreren Solisten und Chor. Inhaltlich lehnt sie sich an die griechische Sage von Orpheus und Eurydike an und persifliert sie. Der Höllen-Cancan aus dem zweiten Akt war damals ein regelrechter Gassenhauer und gehört auch heute noch zu den beliebtesten Melodien überhaupt.
Hörbeispiele zur Operette
Die Operette in Wien
In Wien versuchte man, an den Erfolg von Offenbachs Operetten anzuknüpfen und ab 1860 entstanden hier eigenständige Werke. Die bekanntesten Komponisten waren Franz von Suppé, Carl Zeller und Johann Strauß. Anders als in Frankreich wurden die Wiener Operetten in tradionellen Theatern gespielt und fanden ihr Publikum in einem bürgerlichen Publikum, das die frivol-grotesken Inhalte der französischen Operetten nicht goutierte. So verschoben sich die Themen hin zu rührseligen und sentimentalen Inhalten. Nach dem Ausbruch des deutsch-französischen Kriegs im Jahr 1870 wurde der Unterschied zwischen der französischen und der Wiener Operette zu einer nationalen Angelegenheit, Laszivität gegen Vernunft, Amoralität gegen Moralität, Fremdes gegen Vaterländisches. Die Wiener Operetten standen für Seriosität, ihre Helden sollten Vorbildcharakter haben. Die so entstandenen Werke (Der Zigeunerbaron, Der Bettelstudent, Simplicius) waren über die Grenzen des Landes bekannt und feierten auch in Amerika Erfolge. Den Schluss- und Höhepunkt unter den Wiener Operetten bilden "Der Opernball" von Richard Heuberger und "Die lustige Witwe" von Franz Lehár, die mit ihrem Handlungsschema und ihrer Figurenkonstellation Vorbildcharakter für die folgenden Operetten einnahm.
Heutzutage scheint das Genre der Operette sich überlebt zu haben, aber tatsächlich aber hat es immer noch viele Liebhaber. Es gibt Theater, besonders in Osteuropa, die sich auf Operetten spezialisiert haben, darüber hinaus Festivals, auf denen ausschließlich Operetten zur Aufführung kommen.
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